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Leitlinien
für die Schmerzbehandlung nach Operation werden nur zögerlich
umgesetzt
(Berlin)
Eine angemessene Schmerztherapie nach Operationen ist ein
Stiefkind der modernen Chirurgie. Zwar hat sich die Versorgung
der Patienten durch die Umsetzung von Leitlinien geringfügig
verbessert, wie eine aktuelle Umfrage belegt. Doch die Messung
und Dokumentation von Schmerzen in chirurgischen Kliniken
ist weiterhin schlecht, kritisieren Experten auf dem Deutschen
Schmerzkongress in Berlin.
Zahlreiche
Umfragen belegen, dass die Schmerzlinderung nach Verletzungen
und Operationen für Patienten einen hohen Stellenwert hat.
Eine ausreichende Schmerzbehandlung verbessert die Lebensqualität
der Patienten, erhöht die Heilungschancen und verkürzt die
Behandlungsdauer. Denn nur ein schmerzarmer Patient kann
beispielsweise bei Therapien, die ihn mobilisieren oder
der Thrombosegefahr vorbeugen sollen, gut mitarbeiten. Vor
allem kann eine angepasste Behandlung eine spätere Chronifizierung
akuter Schmerzen vermeiden helfen.
In
Deutschland galt und gilt die postoperative Schmerztherapie
jedoch als "Stiefkind". Strukturelle und organisatorische
Probleme, unklare Zuständigkeiten, ungenügende finanzielle
Ressourcen, eine mangelhafte Ausbildung vieler Mediziner
in Schmerztherapie sowie die fehlende Unterstützung durch
viele Krankenhausträger sind entscheidende Ursachen für
Defizite. Dies belegt eine Umfrage an chirurgischen Kliniken
im Jahr 1997.
1998
entwickelte eine interdisziplinär besetzte Expertenkommission
unter der Leitung von Professor Edmund Neugebauer von der
Kölner Universitätsklinik darum Leitlinien für die Schmerztherapie
nach Operationen. Diese geben Empfehlungen von der "Patienten-Information"
bis hin zur "Qualitätssicherung". Sie behandeln
die Messung und Dokumentation von Schmerzen, deren Prophylaxe
durch eine entsprechende OP-Planung und Anästhesie und liefern
wichtige Informationen über Schmerzmittel und deren Anwendung.
Auch nicht-medikamentösen Therapien ist ein Kapitel gewidmet.
Für diese Aktivitäten wurde Neugebauer im Mai diesen Jahres
auf dem Chirurgenkongress mit dem Müller-Osten-Preis 2001
ausgezeichnet.
Um
herauszufinden, ob die Schmerztherapie in chirurgischen
Kliniken durch die Leitlinien verbessert wurde, befragte
das Team von Neugebauer jetzt erneut über 2000 Kliniken.
Allerdings haben nur 30 Prozent der Krankenhäuser geantwortet.
"Dies ist erstaunlich", so Neugebauer, da der
aktuelle Fragebogen deutlich kürzer war als unser erster."
Die
gute Nachricht: Die meisten Chefärzte, die den Fragebogen
ausgefüllt haben - mehr als 80 Prozent - kennen inzwischen
die Leitlinien. Zwei Drittel, die sie kennen, wenden sie
auch an. Zunehmend betreuen Anästhesisten und Chirurgen
die Patienten gemeinsam: Diese Kooperation stieg von 49
Prozent im Jahr 1997 auf 56 Prozent an. Acht Kliniken (1997:
vier) haben einen Akut-Schmerz-Dienst seitens der Chirurgie
eingerichtet. Auch die Patienten-kontrollierte Analgesie
wird zunehmend angeboten. Während 1997 46 Prozent der chirurgischen
Kliniken diese Form der Schmerzlinderung gelegentlich oder
regelmäßig einsetzten, erhöhte sich dieser Anteil nun auf
64 Prozent.
Die
schlechte Nachricht: Eine routinemäßige Schmerzmessung ist
in den meisten Kliniken noch nicht üblich. Hier verzeichneten
die Kölner Forscher nur einen sehr bescheidenen Anstieg
von 11,1 auf 11,4 Prozent. Immerhin geben 41 Prozent der
Kliniken an, die Patienten zumindest zu fragen, ob sie Schmerzen
haben. "Dieses letzte Ergebnis ist weiterhin schlecht",
so das Fazit von Neugebauer. Generell habe sich die Schmerztherapie
in der deutschen Chirurgie jedoch geringfügig verbessert,
woran die Leitlinien einen wesentlichen Anteil haben.
Neugebauer
ist jedoch optimistisch: "Die zunehmende wirtschaftliche
Konkurrenz zwischen den Kliniken, die Mundpropaganda zufriedener,
schmerztherapeutisch ausreichend behandelter Patienten und
deren gestiegener Anspruch an die medizinische Versorgung
lassen hoffen, dass dem Stiefkind in einer steigenden Zahl
von Kliniken endlich die gebührende Aufmerksamkeit zuteil
wird."
Auch
die chirurgischen Fachgesellschaften haben vielfältige Aktivitäten
gestartet, die Situation zu verbessern. (5.Oktober
2001, Deutscher Schmerzkongress 2001)
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